Zeitungsbericht Goslarsche Zeitung (08.08.2016)

Spendenübergabe mit Gänsehaut-Momenten

Nordkap-Läufer haben 13 564,55 Euro für den Göttinger Verein „Elternhilfe für das krebskranke Kind“ eingeworben – Emotionaler Nachmittag

Von Jörg Clszewski

Wolfshagen. Es war mehr als nur eine einfache Spendenübergabe, zu der die Nordkap-Läufer am Samstag Förderer und Freunde ins Hotel Wolfshof in Wolfshagen eingeladen hatten. Bevor die Sportler um Rolf Nolte und Markus Jürgens dem 2. Vorsitzenden des Vereins „Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen“, Otfried Gericke, die stattliche Summe von 13564,55 Euro überreichten, durchlebten die Zuhörer ein Wechselbad der Gefühle.

Als Otfried Gericke von der Arbeit seines Göttinger Vereins sprach und die Wichtigkeit von privaten Spenden hervorhob, um die Hilfe für Angehörige an Krebs erkrankter Kinder aufrechtzuerhalten, war es mucksmäuschenstill im Raum. Er berichtete von den dunklen Schatten, die eine schwere Krankheit auf eine Familie wirft. Nichts sei mehr so wie früher, auch viele Jahre später nicht. Die Spende der Nordkap- Läufer komme dem Elternhaus zugute. Mit dem Elternhaus wird in den schwierigen Zeit, wenn das kranke Kind in der Klinik behandelt wird, der Mutter oder dem Vater ein „Ersatzzuhause“ ganz in der Nähe zur Verfügung gestellt. Ein psychosoziales Team kümmere sich in der Einrichtung um die Gäste, die mit ganz unterschiedlichen Situationen um – gehen müssen, so Gericke. Auch die Nachbetreuung ist wichtiger Teil des Konzepts. Für ehemals Erkrankte biete der Verein auch Fahrten an. Karina Dörschel, Geschäftsführerin der Sonnenhotels, die seit dem ersten Spendenlauf als wichtiger Sponsor mit im Boot sind, sprach dem Verein eine Einladung in eines der Hotels aus.

Von seinem sehr persönlichen Bezug zum Elternhaus erzählte Karsten Fiebig, einer der zehn Spendenläufer, die die 2900 Kilometer von Timmendorfer Strand zum Nordkap zurücklegten. Sein kleiner Sohn war 2006 an Leukämie erkrankt, seine Ehefrau nutzte das Göttinger· Elternhaus, um in der Nähe des Kindes zu sein, das in der Klinik behandelt wurde. Der Langelsheimer litt in dieser Lebensphase unter Schlafstörungen. Er fand keine Ruhe. Dann entdeckte er den Sport für sich. ,,Mir hat damals das Laufen unheimlich geholfen“, sagte er. Bei Sponsoren und Arbeitskollegen in der Stadtverwaltung Goslar konnte Karsten Fiebig, der mit seinem älteren Sohn Maarten an dem Lauf teilnahm, mehr als 1400 Euro an Spenden einwerben.

Doch trotz des sehr ernsten Hintergrundes gab es im Wolfshof auch viele humorvolle Momente. Die Läufer hatten eine Dia-Show mit Eindrücken von der Strecke zusammengestellt, und jeder kam mit einem kurzen Erlebnisbericht zu Wort. Dabei entpuppten sich die ,,Naturburschen“ als wahre Champions im Improvisieren – etwa, wenn es darum ging, kostenlos eine Übernachtung für zehn Leute zu organisieren, oder das Laufdress kurzerhand in einer Pfütze zu waschen. Als es dann galt, dem Vater des Spendenlaufs zu danken, wurde es laut im Saal. Rolf Nolte, der seit 2010 unzählige Stunden und ganz viel Planungseifer in die verschiedenen Staffeletappen von Venedig bis zum Nordkap investiert hatte, erhielt anhaltenden Applaus. Und alle erhoben sich von ihren Stühlen. Dafür, dass er sich nach seinem großen Engagement erst einmal „um wichtigere Dinge kümmern“ will, hatte im Saal jeder Verständnis.

 

Bildunterschrift:
Auf der Terrasse des Hotels Wolfshof überreichen die Nordkap-Spendenläufer dem Göttinger Verein den symbolischen Scheck. Mit der Spende soll das Elternhaus unterstützt werden

 

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