Zeitungsbericht Emsdettener Volkszeitung (04.02.2016)

Lauf zum Nordkap – rückwärts

Markus Jürgens startet bei einem Spendenlauf

Von Ferdi Recker (www.ev-online.de)

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EMSDETTEN. Markus Jürgens ist ein bekannter Athlet der Laufgemeinschaft. Er ist amtierender Weltmeister, im Halbmarathon. Besonders daran: Markus Jürgens lief die Strecke von gut 21 Kilometern rückwärts – in 1.50,02 Stunden. Am 14. Juli startet in Essen erneut die WM im Rückwärtslaufen, und wieder ist Markus Jürgens dabei. Vorher aber beteiligt sich Jürgens an einem ganz besonderen Event, an einem Spendenlauf, ein Lauf vom Timmendorfer Strand bis hin zum Nordkap. Die Strecke führt durch Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Norwegen. Der Erlös des Spendenlaufes geht an den Verein „Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen e. V.“ 2700 Kilometer gesamt warten auf die zehn Athleten, die am 24. Juni starten. Ein sehr emotionaler Start übrigens, denn die Laufgruppe des Vereins „Elternhilfe“ wird die erste kurze Teilstrecke mit den Spendenläufern absolvieren.

Bei einer Tasse Kaffee sprach EV-Mitarbeiter Ferdi Recker mit Markus Jürgens, über den Spendenlauf, natürlich auch über die Weltmeisterschaft einen Monat später.

Hallo Markus, 2700 Kilometer in 15 Tagen, eine echte Herausforderung?
Es geht schon. Es ist ja immer nur ein Läufer auf der Strecke. Zehn Kilometer laufen, dann der Wechsel auf das Begleitrad, für zehn Kilometer. Diese Teilstrecken für jeden zwei Mal am Tag, es geht.

Zehn Kilometer-Lauf, dann zehn Kilometer auf dem Fahrrad – dann eine Pause. Dann wieder los, was sagt der Körper denn dazu?
Kein Problem, wir laufen ja nicht im Höchsttempo, Man freut sich sogar, wenn man wieder auf die Strecke darf.

Wo ist man in der Pausen?
In einem Wohnmobil oder in einen VW-Bulli, unsere beiden Begleitfahrzeuge.

Wo wird gepennt?
Mit sieben Leuten im Wohnmobil, die anderen im Bulli. Disziplin ist Trumpf. Alle drei Tage auf einem Campingplatz, um fließend Wasser zu haben. Wir wollen halt wenig Kosten verursachen.

Wie entstand der Kontakt zu den Athleten von TSV Eintracht Wolfshagen?
Über Ralf Nolte, der die Spendenläufe seit Jahren organisiert. Er hatte gehört, dass ich rückwärts laufe, mich über Facebook kontaktiert.

Läuft Markus Jürgens vorwärts zum Nordcap – oder die Strecke rückwärts?
Im Wechsel. Zehn Kilometer vorwärts, zehn Kilometer rückwärts, so ist es geplant.

Solch eine Strecke rückwärts zu laufen, geht das nicht besonders auf Gelenke, Sehnen und Muskeln?
Ich hatte zunächst leichte Probleme mit der Achillessehne, doch das ging schnell vorbei. Man gewöhnt sich halt an alles.

Wie kam Markus Jürgens eigentlich auf die Idee, rückwärts zu laufen?
Ich habe den Weltmeister Achim Aretz bei einer Ski- Freizeit getroffen, der hat mir davon viel berichtet. Ich habe es versucht, und es hat gleich geklappt.

Blick auf die WM in Essen, wie viele Athleten werden im Halbmarathon starten?
So um die 20, viele davon sind sehr schnell, ich muss mich wohl noch steigern.

Reicht die Zeit aus 2015, oder muss man für den Sieg noch schneller sein?
Nein, die Zeit reicht nicht. Ich muss Gas geben, will um die 1.45 Stunden schaffen.

Wie gestaltet sich das Wochentrainings- Programm von Markus Jürgens?
Das sind zehn bis 15 Stunden, auch auf dem Rad und beim Schwimmen. Hauptsächlich aber Laufsport.

Gibt es noch Ziele im sportlichen Bereich?
Ich plane sportlich immer nur kurzfristig, für die nächsten beiden Monate, erst dann sehe ich weiter.

Welche Wünsche hat Markus Jürgens für den Spendenlauf zum Nordkap?
Dass wir möglichst viel Geld zusammen bekommen.

Und welche Ziele für die WM in Essen?
Dass es wieder eine große Party wird, denn die Teilnehmer sind doch alle ein wenig verrückt. Man lernt viele tolle Menschen kennen, das macht es aus.

 

Zitate

„Ich musste das Laufen rückwärts nicht lange trainieren, das hat sofort geklappt. Ich war selbst überrascht. Das lag mir förmlich im Blut.“
Markus Jürgens, amtierender Weltmeister im Rückwärts-Halbmarathon.

„Hoffentlich finde ich in Emsdetten auch noch zahlreiche Sponsoren, die unseren Spendenlauf finanziell unterstützen. Es geht um jeden Euro, es geht um die gute Sache.“
Markus Jürgens

Informationen zur Person

  • Markus Jürgens gehört zu den zehn Athleten, die vom Timmendorfer Strand zum Nordkap laufen, 2700 Kilometer weit. _
  • Markus Jürgens hat Sport und Mathematik auf Lehramt studiert, arbeitet zurzeit an der Uni Münster als Sportdidakt am sportwissenschaftlichen Institut.
  • Früher spielte Jürgens Handball beim TVE, unter Trainer Jan Wolski in der A-Jugend, als Linksaußen, später auch am Kreis oder im Rückraum links. „Standen harte Laufeinheiten im Training auf dem Programm, dann haben viele gestöhnt, mir hat das großen Spaß gemacht. Ich habe auch Rennrad gefahren, musste mich dann für eine Sportart entscheiden, bin dem Laufsport treu geblieben.“
  • Jürgens ist amtierender Weltmeister im Halbmarathon im Rückwärts-Laufen, will am 14. Juli seinen Titel bei der WM in Essen gern verteidigen. „Doch da muss ich wohl schneller als bei meinem Titelgewinn (1.50,02 Stunden) sein, die Konkurrenz ist stark.“

Informationen zum Spendenlauf

  • In 15 Tagen die 2700 Kilometer vom Timmendorfer Strand bis zum Nordkap, bis zum nördlichsten Punkt Europas.
  • Zehn Athleten gehen am 24. Juni an den Start. Pausen sind nur in der Nacht geplant. Je näher man dem Nordkap kommt, will man die Mitternachtssonne nutzen, morgens oder abends noch Teilstrecken laufen.
  • Der Erlös geht an den Verein „Elternhilfe für das krebskranke Kind Göttingen e.V. Die beiden Teilnehmer Karsten und Maarten Fiebig haben als betroffene Familienmitglieder die Unterstützung durch das Elternhaus erfahren, möchten durch diesen Spendenlauf den vielen ehrenamtlichen Helfern etwas zurückgeben.
  • Jeder Athlet läuft pro Tag 20 Kilometer läuft, fährt zudem am Tag 20 Kilometer auf dem Begleit- Fahrrad. Alle Läufer haben Paten, die pro Kilometer einen Euro (oder auch weniger) zahlen.
  • Seit Jahren führt der Verein Spendenläufe durch, hat so insgesamt mehr als 10 000 Euro gesammelt, diesen Betrag diversen sozialen Einrichtungen gespendet.

Quelle: Emsdettener Volkszeitung (04.02.2016)

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